München

Axel konnte so laut schnarchen, dass selbst die rote Schlafkugel nicht dagegen ankam.
Stundenlang lag ich wach, während er mit offenem Mund Richtung Decke sägte und seine nässenden Schürfwunden das Kopfkissen besudelten.

Ich war es gewohnt, kaum zu schlafen.
Ich mochte es nicht direkt, weswegen ich das Mittel, das mir Clara jeden Abend gab, auch gerne annahm.
Andererseits gehörte es auch irgendwie zu mir.
Und müde war ich sowieso immer.

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Axel

Die Tabletten steckte ich vorsichtshalber in das Innenfach meiner Waschtasche.
Ich hatte keine Ahnung, was nun passieren würde.
Vielleicht, dachte ich, würde wenigstens diese elende Müdigkeit verschwinden, die tagsüber einen halbdurchsichtigen Schleier über mich warf und mich nachts kein Auge zu bekommen ließ, wenn ich mir nicht von Clara eine der roten Schlafkugeln geben ließ.

Ich hatte das oberste Fach im Regal neben dem Waschbecken. Dominik, der als Erster im Zimmer gewesen war, hatte das zweiunterste Fach. Dazwischen lagen, fein säuberlich eingeschweißt, eine billige Zahnbürste, ein winzige Tube Zahnpasta und ein Kamm.
Ich versuchte, mich daran zu erinnern, ob all das schon immer da gewesen war, aber es fiel partout nicht ein. Seit ich die Tabletten bekam, hatte ich schon Schwierigkeiten, mich daran zu erinnern, was es am Vortag zum Mittagessen gegeben hatte.

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Tischtennis

Es war noch eine Weile so weitergegangen.
Herr Schwarz hatte von seiner Arbeit erzählt. Der große Junge von seinem Studium und die Frau hatte ich nach wie vor nicht verstanden.

Als die Stunde vorbei war, strömten alle aus dem Raum. Herr Schwarz stapelte die Stühle in einander und rückte anschließend das Sofa zurecht. Ein paar Frauen machten Handarbeit, andere gingen in ihr Zimmer.
Der Student schloss so schnell die Tür hinter sich, dass ich gerade einmal sein nicht vergittertes Fenster sehen konnte.
Miss Thüringen ging geradewegs in ihr Büro.
Mich beachtete niemand.
Einer der Pfleger der offenen Station musterte mich kurz, überlegte, aber dann war er beim Kartenspielen am Zug.

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Funktionieren

„Herr Feyl?“, fragte Miss Thüringen, während ich Maria und der Schwester nachsah.

Nicht einmal eine Woche hatte sie es draußen ausgehalten.
Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich an die rosa Narben auf ihren Handgelenken dachte, die ich kurz vor ihrer Entlassung gesehen hatte.
Und wie sie sich genau daran wieder zu schaffen gemacht haben musste.
Sie würde jetzt eine ganze Weile A-5 bleiben, da war ich mir sicher.

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