Tischtennis

Es war noch eine Weile so weitergegangen.
Herr Schwarz hatte von seiner Arbeit erzählt. Der große Junge von seinem Studium und die Frau hatte ich nach wie vor nicht verstanden.

Als die Stunde vorbei war, strömten alle aus dem Raum. Herr Schwarz stapelte die Stühle in einander und rückte anschließend das Sofa zurecht. Ein paar Frauen machten Handarbeit, andere gingen in ihr Zimmer.
Der Student schloss so schnell die Tür hinter sich, dass ich gerade einmal sein nicht vergittertes Fenster sehen konnte.
Miss Thüringen ging geradewegs in ihr Büro.
Mich beachtete niemand.
Einer der Pfleger der offenen Station musterte mich kurz, überlegte, aber dann war er beim Kartenspielen am Zug.

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Funktionieren

„Herr Feyl?“, fragte Miss Thüringen, während ich Maria und der Schwester nachsah.

Nicht einmal eine Woche hatte sie es draußen ausgehalten.
Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich an die rosa Narben auf ihren Handgelenken dachte, die ich kurz vor ihrer Entlassung gesehen hatte.
Und wie sie sich genau daran wieder zu schaffen gemacht haben musste.
Sie würde jetzt eine ganze Weile A-5 bleiben, da war ich mir sicher.

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Zurück

Als ich am Montag erwachte, hing ein neuer Zettel über meinem Bett.
Er war noch immer rosa, doch diesmal stand mehr auf ihm als „Aufstehen 06:30 Uhr“.
Ich hatte jetzt einen Therapieplan.
Dienstag- und Freitagvormittag hatte ich ein Date mit Miss Thüringen. Freitagnachmittag, Samstag und Sonntag waren leer. An den restlichen Nachmittagen gab es haufenweise Abkürzungen, die ich nicht verstand.
Für Montag, 7:15 Uhr, besagte der Zettel: GK II, AHR, OS.

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Unterwegs III

Das Städtische Klinikum lag nur ein paar Kilometer entfernt. Wahrscheinlich konnte man es sogar von der dritten Etage aus sehen.
Die Pförtner winkten uns durch, ohne einen Ausweis sehen zu wollen.
Offiziell war die Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ein ganz normaler Fachbereich des Klinikums. Offiziell unterschieden sich nur die Krankheiten, und dennoch war alles hier anders.

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Unterwegs II

„Mach mal das Fenster zu“, rief der Pfleger von der Rückbank, „Das zieht total kalt rein!“
„Nix“, brüllte Sven gegen die Musik an, „Der Niklas raucht doch grade!“
Ich saß auf dem Beifahrersitz und sah aus dem halb geöffneten Fenster.
Wir bogen auf die Umgehungsstraße und Sven trat stärker aufs Gas. Häuserblock um Häuserblock fetzte an uns vorbei. Manchmal hielten wir an einer der großen Ampelkreuzungen. Neben uns Männer in Anzügen, Handwerker oder LKWs. Alles ging seinen normalen Gang.
Niemand bemerkte das violette Armband.

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Unterwegs I

Am Freitag war wieder Blutabnahme.
Kurz darauf stand ich im Aufenthaltsraum und begutachtete die Reste des vorangegangen Frühstücks.
Zuverlässig hatte sich Herr Schmidt über die Marmeladendöschen hergemacht und nichts als Stachelbeere hinterlassen.
Einhändig versuchte ich, mir einen Toast  zu schmieren, während ich den anderen Arm angewinkelt hielt, damit der Wattebausch in meiner Armbeuge nicht verrutschte.
Seit ich täglich diese dünne Tablette bekam, dauerte es ewig, ehe sich das winzige Loch von selbst verschloss.
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Schnee

Die Hektik auf der Station kam wie die Symptome der meisten Patienten: Immer in Wellen.
Die nächsten Tage jedenfalls waren ruhig.
Meine Eltern blieben weg, stattdessen kam jeden zweiten Tag eine Schwester zum Blutabnehmen.
Im Aufenthaltsraum lief durchgängig Biathlon, zwei der Pfleger war Fans.
4 mal 7,5 Kilometer Verfolgung Männer.
10 Kilometer Springt Männer.
15 Kilometer Massenstart Männer.
„In Ruhpolding müsste man wohnen“, schwärmte einer der Pfleger und meinte den Schnee.
„Schalt mal um, jetzt kommt Frauenwettbewerb“, sagte der andere.

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